09.03.2022

Heute berichte ich euch von Catherine und Adam. Der 39-jährige Boda-Boda-Fahrer (Motorradtaxi) wohnt seit zwölf Jahren mit seiner Frau und seinen drei Kindern in unserem Dorf Tongolo. Ihre Wohn- und Lebenssituation hat mich bei meinem ersten Besuch bei ihnen ziemlich geschockt.

Fünf Personen leben auf 3 m2 in einem Raum, abgetrennt durch einen Vorhang. Die Eltern haben ein Bett, die drei Kinder schlafen zusammen auf einer Matratze auf dem Boden, die tagsüber aufs Bett gelegt wird. Die rohen Backsteinwände sind mit Karton "tapeziert" und nicht verputzt. Das Zimmer ist nicht isoliert - man hört alle Geräusche der Nachbarn und natürlich auch umgekehrt. Gekocht wird draussen auf dem kleinen Kohleherd. Einen Tisch gibt es keinen. Jeder cm im kleinen Zimmer ist ausgenutzt. Schlafen tut die Familie ohne frische Luft: Aus Angst vor Einbrechern wird das kleine Holzfenster nachts geschlossen.
Das Haus gehört nicht der Familie. Sie müssen Miete bezahlen, was eine grosse Last für sie ist. Der Vermieter will immer gleich drei Monatsmieten am Stück, was für ihn ein (zu) grosser Betrag ist, den er nur mühsam zusammensparen kann. Als Motorradfahrer verdient er durchschnittlich Fr. 5.40 am Tag. Da sie keinen eigenen Garten haben, müssen sie alle Nahrungsmittel kaufen. Täglich stehen dafür aber nur Fr. 2.- zur Verfügung, da er sein Motorrad-Taxi auch noch abbezahlen muss. So gibt es nur an Weihnachten Fleisch und Reis, das tägliche Menü besteht aus Maisbrei und Bohnen.
Und wie sieht es mit den Schulgebühren für ihre Kinder aus? Das wird schwierig. Genau so geht es vielen Familien in unserem Dorf. Obwohl Adam einen Job hat, reicht es nicht für das Nötigste. Dass es für alle alleinerziehenden Frauen ohne Einkommen noch schwieriger ist, versteht sich von selbst. Deshalb ist die Unterstützung von Familien ein so zentrales Thema für unser Hilfswerk.
Vor zwei Jahren konnten Catherine und Adam ein kleines Stückchen Land kaufen, wo sie nun ihr Haus bauen. Allerdings kommen sie mit dem Bau nicht voran, da ihnen das Geld für das Baumaterial fehlt. Früher war er ein Fischer in Tongolo. Da die Fischerei aber fast vollständig einging, ist ihm nicht anderes geblieben, als das Boda-Boda fahren.

Vor einigen Wochen ist Catherine in ihrer Not mit zwei ihrer drei Kindern "davongerannt". Die prekäre Wohn- und Arbeitssituation hat sie an den Rand der Verzweiflung gebracht. Hilflos stand Adam auf unserem Gelände und wusste nicht mehr weiter. Wir haben viel investiert, um Catherine und die Kinder wieder zu finden. Bei ihren Eltern haben wir sie dann endlich gefunden. Diese waren aber nur bereit mit Adam zu verhandeln, wenn er seinen seit zwölf Jahren ausstehenden Brautpreis bezahlt. Die Summe war zwar nicht gross, aber doch viel zu gross für seine Möglichkeiten. Wir übernahmen einen Teil davon, er den Rest, und so konnte er seine Schulden begleichen. John fuhr mit Adam los, um mit der Familie und Catherine zu reden und zu verhandeln. Die Geschichte fand zum Glück ein "Happy End", Catherine kam mit den zwei Kindern zurück.
Sie wünscht sich nichts mehr, als ins neue Haus umzuziehen, auch wenn es noch nicht ganz fertig ist, aber das ist bei Weitem noch nicht der Fall. Sie brauchen erst ein Blechdach, eine Toilette, Fenster, Türen, und einen Boden. Es fehlen ihnen noch rund Fr. 6'000.- bis alles fertig ist. Eigentlich ja wenig für ein ganzes Haus - aber für die finanzielle Situation der Familie ein fast unerreichbares Ziel.
Der Umzug wird schon mal viel vom grossen Druck der Familie wegnehmen, weil dann die Miete für ihr jetziges kleines Haus wegfällt. Was der Familie auch sehr hilft, wenn wir die Schulgelder der Kinds übernehmen können. Und wenn wir der Familie sogar zu einem Stück Land für einen eigenen Garten verhelfen können, ist es sogar noch besser. Catherine wäre sehr glücklich über ihr eigenes Gemüse, Früchte und Getreide.
Vielen Dank für eure Spenden. Sie verändern hier wirklich Leben!
Andrea Tischhauser









































































































































