29.09.2021

In Tongolo, dem kleinen Dorf am Nordufer des Viktoriasees, gibt es sehr viele inkomplette Familien. Das bedeutet, es ist kein Elternpaar vorhanden, sondern nur eine Person, die für die Kinderbetreuung und Erziehung zuständig ist. In dieser häufig vaterlosen Gesellschaft ist es meistens eine Mutter, Grossmutter oder Tante. Oft haben diese Haushalte einen Garten, wo sie Mais, Bohnen und Bananen anpflanzen, um ihre 5-10 Kinder zu ernähren. Ein festes, regelmässiges Einkommen ist bei vielen nicht vorhanden, weil es kaum Arbeitsstellen in der Umgebung gibt. So lebt die Familie von der „Hand in den Mund“, von dem, was gerade wächst. Ist es über mehrere Monate trocken, kann die ersehnte Ernte auch vertrocknen, da es keine Bewässerungssysteme gibt.
Kinder brauchen aber nicht nur Nahrung. Was ist mit Kleidern, Schuhen, Matratzen, Bettzeug, medizinischer Versorgung, dem Moskitonetz oder der Entwurmungstablette, die dringend nötig ist? Vom fehlenden Spielzeug längst abgesehen und von den Schulgebühren leider auch oft. Ich habe ausser alten Gummireifen noch kein Kinderspielzeug in Tongolo gefunden.

Die Kinder haben keine Privatsphäre, da alle Kinder im selben Raum schlafen. Oft regiert der Stärkste und die vielbeschäftigte Mutter, Grossmutter oder Tante "braucht" die Kinder als Arbeitskräfte, oft über ihre Kapazitäten hinaus. Ein Schulbesuch ermöglicht den Kindern einen Tagesrhythmus und auch eine warme Mahlzeit. Viele werden aber nicht in die Schule geschickt – auch weil das Geld dafür fehlt. Sauberes Trinkwasser könnte für 200 Uganda-Schilling (rund 5 Rappen) pro Kanister bei einem Bohrloch im Dorf rausgelassen werden, aber oft fehlt auch da das tägliche Bargeld. Und so werden die Kinder mit den Kanister zum Lake Victoria geschickt, um Wasser zu holen.
Natürlich machen sich diese Frauen allerlei Gedanken und Bemühungen, wie sie Geld verdienen könnten, aber die Möglichkeiten sind einfach sehr gering und eingeschränkt, da es an Startkapital fehlt und die tägliche Not immer grösser als die Einnahmen ist. Und die Lebensmittel im Laden sind überdurchschnittlich teuer, wie z.B. Mehl, Öl oder Zucker. Oft fehlt den Gärten und Häusern eine Abgrenzung, und es wird gestohlen oder es kommt auch mal vor, dass die Tiere des Nachbarn vergiftet werden. Armut ist brutal und lässt die Menschen erkalten. Wer mehr hat als man selber wird zum Feind. Eifersucht ist ein grosses Thema in einer Kultur, wo man nie genug hat und kein Rechtssystem die Wehrlosen schützt.
Covid macht alles noch schwieriger: Wenn der Vater oder die Mutter bisher etwas Geld nach Hause brachte, z.B. von seinem Motorradfahrereinkommen oder ihrem kleinen Stand/Laden in Tongolo, verdienen sie zurzeit fast nichts mehr.
Was bringt eine Familienpatenschaft konkret? Was ändert sich für eine Familie, die durch NELIA unterstützt wird?

Sobald eine Familie genug zu Essen hat, relativieren sich viele Probleme. Die Hoffnung findet zurück in die Herzen der Mütter oder Grossmütter, und sie haben mehr Freiraum, sich um die Kinder und um die Zukunft zu kümmern. Da wir das Ganze immer verfolgen und kontrollieren, wohin die Finanzen fliessen, sind die Leute zuverlässig und von uns im Guten abhängig, bis sie hoffentlich selber wieder über die Runden kommen, was natürlich unser Ziel ist. Auch ermöglicht uns dieser Kontakt fortlaufende Beratung und besseren Einfluss in die Familien. Eine alleinerziehende Mutter hat oft grosse psychische und physische Lasten zu tragen.
Mit der Zeit können kleine Ersparnisse für ein Huhn gesammelt werden. Der allgemeine Druck der Mutter nimmt ab und sie kann die Kinder besser "ertragen". Leider werden die Kinder auch oft geschlagen, wenn „ das Fass voll ist“. Bei regelmässigen Spenden können sogar kleine Renovationen gemacht werden oder eine Toilette gebaut werden, eine Türe oder ein Fenster repariert, oder bis zu Weihnachten für eine Ziege gespart werden. Evtl. reicht es für eine Matratze oder eine Bettdecke. Wir ermutigen und beraten die Mütter aber auch, sich zu überlegen wie sie selber etwas Geld verdienen können.

Besonders berühren uns Familien, die selber fast nichts haben und trotzdem bereit sich, Waisenkinder aus dem Dorf oder von Verwandten zu sich aufzunehmen. Auch diese Familien möchten wir gerne unterstützen.
Die Not der hungrigen Kinder kann durch eine Familienpatenschaft von Fr. 100.- im Monat stark gemindert werden. Helfen Sie mit?

Obwohl es hier sehr ländlich ist, gibt es immer wieder Familien, die wenig oder gar kein Land besitzen und so kein eigenes Gemüse, Getreide und Früchte anbauen können. Falls es in der Schweiz Familien gibt, die einer Familie in Tongolo ein Stück Garten ermöglichen möchten, freuen wir uns (und die Familie hier im Dorf) sehr. Mit rund Fr. 2'000.- kann ein Grundstück erworben werden, das als Garten für eine Familie ausreichend ist.
Andrea Tischhauser, Uganda, Projektleiterin NELIA
Familienpatenschaft: Fr. 100.- (monatlich). Spendenzweck "NELIA - Familienpatenschaft"
Garten für eine Familie: Fr. 2'000.-. Spendenzweck "NELIA - Aktion Garten"
Allgemeine Spenden für das Projekt NELIA: Spendenzweck "NELIA Uganda"







































































































































