24.06.2024
Ein Bericht von Christian Tobler
Mein Urgrossvater hatte acht Geschwister. Das ist der Rekord in meiner Verwandtschaft. Für grössere Familien muss ich noch ein paar weitere Generationen zurück. Grossfamilien sind bei uns sehr selten geworden. Mit drei Kindern liege ich bereits über dem Durchschnitt.
Bei meinen Projektbesuchen in Uganda gehört ein Spaziergang durch das Dorf Tongolo fest dazu. John, der Projektleiter, begleitet mich jeweils. Fast das ganze Dorf kennt ihn und bei mir wissen viele auch schon, dass ich zu NELIA gehöre – ich falle auf, auch wenn das nicht meine Absicht ist.

NELIA unterstützt seit seiner Gründung vor acht Jahren Familien im Dorf mit Lebensmitteln, bietet Arbeitsplätze und ermöglicht Kindern den Schulunterricht. In diesem Jahr möchten wir Familien besuchen, die (noch) nicht unterstützt werden, um zu hören, wie es ihnen geht, was sie beschäftigt, wie sie leben. Wir treffen uns mit dem Dorfvorsitzenden, der uns begleitet und fünf Familien für uns aussucht.

Zuerst gehen wir zu Karim. Er ist 55 Jahre alt und hat 15 Kinder. Seine Frau verliess ihn aufgrund der grossen Armut und sucht ihr Glück nun bei einem anderen Mann. Karim ist Tagelöhner. Sein kranker Vater wohnt auch bei ihm. Einige seiner Kinder konnten die ersten Schuljahre in die Dorfschule gehen, dann reichte das Geld nicht mehr. Viel gelernt haben sie dort nicht, weil die Qualität der Staatsschule sehr schlecht ist – da sind sich im Dorf alle einig.

Nach fünf Minuten Fussmarsch erreichen wir das Haus von Mukisa. Sie ist 42 Jahre alt, hat neun Kinder und drei Grosskinder. Sie ist zu Besuch bei ihrer Schwägerin, die neben ihr wohnt. Neun Kinder und 15 Enkel gehören zu ihr. Sie wurde von ihrem Mann – Mukisas Bruder – verlassen. So schlagen sich die beiden Frauen durchs Leben, bebauen ihren Garten, kaufen frisch gefischte Sardinen aus dem Viktoriasee, trocknen und verkaufen sie wieder. Damit verdienen sie ein paar Schilling. Vom Staat gibt es keine Hilfe.
Wir besuchen drei weitere Familien, bei denen es ähnlich aussieht.

Schweigend gehen John und ich zurück aufs NELIA-Gelände. Sie alle bräuchten Hilfe. Sie alle haben mehr Kinder, als sie ernähren können und Geld für die Schule haben sie keins. Zweierlei ist nötig: Akuthilfe, damit die Familien überleben und die Kinder nicht mangelernährt sind und ausserdem eine nachhaltige Dorfentwicklung: Aufklärungsarbeit, Arbeitsplätze, Bildungsmöglichkeiten mit besserer Qualität und medizinische Versorgung, welche sie sich leisten können.






































































































































