08.03.2023

Die Schatten des Krieges sind lang, die Kämpfe dauern an und die Menschen müssen grosse Verluste und Schmerzen hinnehmen und immer wieder Abschied nehmen. Mitten in diesen Umständen sind wir einfach dankbar. Wir danken unseren Gott, der uns Hoffnung gibt und unseren Glauben stärkt und wir danken für alle Unterstützung und Ermutigung, die wir immer wieder erfahren.
Die Gemeinde
Mit dem Kriegsbeginn veränderte sich alles für uns – auch unsere Kirche, die «Holy Trinity Church». Viele Gemeindeglieder und Freunde flüchteten, sodass wir nach der ersten Fluchtwelle noch sieben Gottesdienstbesucher waren. Dass gerade in der Kriegszeit viele Menschen zur Gemeinde dazukamen, sich aktuell etwa 60-70 Menschen sonntags versammeln zum Gottesdienst, empfinde ich als Händedruck von unserem Gott. Wir erleben, wie die Gemeindeglieder zusammenwachsen und die Beziehungen stärker werden. Durch diese Entwicklung wurde unsere Kirche sehr offen. Die unterschiedlichsten Menschen sind willkommen und wir helfen einander. Morgengebete und evangelistische Anlässe, Flüchtlingstreffen, Bibelgruppen, wie auch Nothilfe gehören zu unserer Gemeindeagenda. Wir erzählen den Leuten von Jesus. Wir durften in diesen Kriegszeiten sogar schon zwei Menschen taufen und ein Paar trauen. Es ist eindrücklich zu sehen, wie die Kirche lebt - auch in diesen schwierigen Kriegszeiten.

Durch finanzielle Unterstützung konnten wir vier Menschen dringend nötige chirurgische Eingriffe ermöglichen. Besonders die Jungen engagieren sich in der diakonischen Arbeit und in der Nothilfe. Im Jugendtreff, wie auch an den anderen Angeboten nehmen auch Freunde teil, die noch nicht zum Glauben gefunden haben. Für Flüchtlinge bieten wir auch ein persönliches Coaching an, welches gerne genutzt wird.

Seit September trifft sich eine Gruppe von über 20 geflüchteten Menschen zur wöchentlichen Maltherapie. Die Gruppe ist so bunt wie die Kunstwerke: Menschen mit Autismus, Trisomie 21, Teenager ohne Einschränkungen, Erwachsene mit posttraumatischer Belastungsstörungen, sie alle treffen sich zum gemeinsamen Malen.

Nothilfe - Vidguk
Nach Kriegsausbruch begannen wir, Menschen mit Kleidern und Essen zu helfen. Daraus entstand die Wohltätigkeitsorganisation «Vidguk». Die Stadt Odessa hat bereits 130'000 Flüchtlinge aus besetzten Gebieten der Ukraine aufgenommen. Diese Menschen haben ihr Zuhause verloren, sie haben keine Arbeit und kein Geld mehr. Doch es gibt auch einheimische Notleidende. Unser Team und die freiwilligen Mitarbeitenden aus der Kirche konnten bereits 15'000 bedürftigen Familien helfen. Essen, Kleidung und Medikamente sind die Dinge, die Menschen hier am nötigsten brauchen. Durch die Verteilaktionen können wir den Menschen auf zwei Ebenen helfen. Die materielle Hilfe ist offensichtlich, doch wir erleben immer wieder, dass Menschen dadurch auch Hoffnung schöpfen. Sie fühlen sich nicht alleine gelassen und blicken zuversichtlich nach vorne. Diese Ebene ist der Hilfe ist nicht weniger wertvoll.
Unsere Einsätze dokumentieren wir alle. Es ist für uns in Schwierigkeiten eine Ermutigung, uns immer wieder die Zahlen vor Augen zu halten. Wöchentlich verteilen wir etwa 350 grosse Essenspakete. Die Zahlen sind schwankend. Im Dezember konnten wir wegen Strommangel und den daraus folgenden Schwierigkeiten in der Kommunikation weniger verteilen. Zu Spitzenzeiten waren es 450 Pakete. Ein Fünftel der Pakete bringen wir in andere Städte und Dörfer, den Rest verteilen wir in unserer Stadt.
Regelmässig besuchen wir Dörfer an der Kriegsfront. Möglich ist dies auch durch die Unterstützung, die wir von der Inter-Mission erhalten. Schon über 40 Reisen an die Front durften wir durchführen, weitere sind in Planung. Manche Dörfer wurden schon zwei oder dreimal besetzt und wieder zurückerobert und sind aktuell immer noch Ziel von Raketenangriffen. In solchen Gebieten geht uns die Not der Menschen besonders nahe. Wir bereiten die Leute, die bei einem solchen Einsatz mitgehen, jeweils in einem kurzen Training vor – so gut wie es geht. Die Menschen, die wir dort treffen, haben alle den Beschuss ihres Zuhauses, den Verlust von Familienmitgliedern und ihres Besitzes überlebt. Neben den Essenspaketen und Hygieneartikeln, die wir ihnen bringen, hören wir ihnen oft einfach zu. Sie erzählen uns furchtbare Erlebnisse. Wir reden mit ihnen über Hoffnung in unserem Gott und beten mit ihnen.

Briketts für Cherson
Im Dezember konzentrierten wir unsere Hilfe vor allem auf die Region Cherson. Wir beteten lange Zeit für die Menschen in dieser Region. Durch Pfarrer Sergei in Cherson, konnten wir bedürftige und notleidende Familien kontaktieren und ihnen mit Briketts helfen.

Mit unserem ersten Transport brachten wir 10 Tonnen Briketts zu den Familien. Schnell war klar: Wir wollten einen zweiten, grösseren Transport wagen. Dieser fand am 21. und 22. Dezember statt. Drei grosse Lastwagen mit je 22 Tonnen Briketts brachten wir nach Cherson – für 66 Familien warme Weihnachten und zwei Monate lang eine warme Stube. Der Zeitplan von Gott war einfach perfekt. Wir waren überwältigt, dass wir mit unseren bescheidenen personellen und finanziellen Ressourcen so etwas Grosses tun durften – so etwas ist nur möglich durch unseren grossen Gott.
Wieder sahen wir viele Tränen und Schmerzen. Die Menschen erzählten uns aber auch, wie sie erleben, dass Gott sie versorgt – auch durch unseren Besuch. Gott trägt die Menschen in ihrer Not. Wir beten für sie. Auch unsere Mitarbeitenden wurden durch die Reise gesegnet.

Zuversicht
Mitten im Chaos, mitten im Leid und in Verlust verlässt uns unser Herr nicht. Wir glauben und hoffen, dass ER uns die Stärke gibt, die wir brauchen, um hier zu bestehen. Danke für alle Gebete und für alle Unterstützung! Wir sehen in die Zukunft mit Zuversicht. Wir sind nicht alleine. Wir sind nicht verlassen.








































































































































