04.11.2022
In unserem Engagement für die Ukraine werden wir durch den Schweizer Verein «Serve-East» unterstützt, der im benachbarten Moldawien tätig ist. Mehrere Mitarbeitende bringen regelmässig Nahrungsmittel in unserem Auftrag nach Odessa und unterstützen die Ehrenamtlichen der Holy Trinity Church. Tobi berichtet uns von seinem Einsatz in der Ostukraine.

Freitagmorgen um 4 Uhr früh, unser Team ist startbereit. Nur noch kurz die Rotkreuztafeln an den Fahrzeugen befestigen und dann geht es nach einer kurzen Gebetszeit los Richtung Ukraine. Wir haben zwei Busse mit je 1'500 kg Lebensmittel und Hygieneprodukten beladen.
In Chisinau machen wir einen kurzen Kaffeehalt und dort stösst Fanel zu unserem Team, ein langjähriger Freund und Mitstreiter. Seit Kriegsausbruch hat er zusammen mit unserer NGO ein paar dutzend Hilfstransporte und Einsätze in die Ukraine koordiniert und zum Teil auch selbst durchgeführt. Ich bin sehr froh, dass er Teil von unserm Team ist. Er ist sehr gut vernetzt, beherrscht viele Sprachen, hat keine Berührungsängste mit Herausforderungen und findet für fast jedes Problem in nützlicher Frist eine angemessene Lösung.
Früh am Morgen kommen wir gut voran und so stehen wir kurz nach 8 Uhr in Stareakasaki an der Grenze zur Ukraine. Der Grenzübertritt verläuft ziemlich problemlos. Der moldawische Zollbeamte fragt mich, ob er von uns kein Trinkgeld erhalte. Ich lehne dankend ab. Wir haben eine Exportbewilligung und erfüllen absolut alle (zum Teil lächerlichen) bürokratischen Anforderungen und lassen uns vom Beamten nicht manipulieren. Auf der ukrainischen Seite sieht das etwas anders aus. Zwar haben wir auch für diese alle nötigen Dokumente, aber weil sich das Land im Kriegsrecht befindet, kannst du dich kaum über Beamte beschweren, welche dich auflaufen lassen. Der ukrainische Zöllner wünscht sich zwei Flaschen Handseife und eine Packung Kekse. Er verspricht dafür speditiv zu arbeiten und tatsächlich, um 11 Uhr verlassen wir den Zoll Richtung Odessa.

Dort treffen wir unsere Partner, entladen gut die Hälfte unserer Ware bei ihrer Gemeinde und laden dafür vorbereitete Lebensmittelpakete. Kurz darauf machen wir uns auf den Weg Richtung Osten in die Region Herson und Dniepro Petrovsk. Als wir losfahren fragt uns Jenea, unser Guide, ob wir einen Erste Hilfe-Kasten im Auto haben. Am Vortag seien Freunde von ihm in der Gegend unterwegs gewesen, wo wir hingehen werden. Sie seien auf einen Verwundeten mit Schussverletzungen gestossen und dank dem Verbandskasten aus dem Auto konnten sie Erste Hilfe leisten. Mir wird ein mulmig zumute. Ich weiss zwar, dass wir zu einem Einsatz in der Nähe der Kriegsfront gehen, aber auf Schiessereien und Verwundete will ich eigentlich nicht treffen.
Zwischen Odessa und Mikolaiev fahren wir an endlos scheinenden Lastwagenkolonnen vorbei, welche Getreide nach Odessa oder zu den Donau Häfen bringen. Alle anderen Schwarzmeerhäfen sind entweder blockiert oder werden von Russland kontrolliert. Kurz nach Mikolaiev schrecken wir auf. Ein Kampfjet fliegt sehr tief über unser Auto hinweg. Doch Jenea unser Guide sagt: „ne baitsa eta nasha zamaliot“ was so viel heisst wie, "keine Angst, das ist ein Flugzeug von uns".
Nach Mikolaiev ändert sich die Stimmung und der Verkehr: Wir treffen kaum mehr auf private Autos und nebst den Lastwagen treffen wir unterwegs vor allem auf Armeefahrzeuge. Dazu immer wieder auf mehr oder weniger befestigte und bewachte Blockposten, wo unsere Papiere und zum Teil die Ladung kontrolliert wird.
Wir fahren durch die südukrainischen Weiten und es herrscht eine fast bedächtige Stille in meinem Fahrzeug. Ich hänge während dem ich fahre meinen Gedanken nach. Den ganzen Tag habe ich meine Begleiter gefragt: „Hast du ein Wort von Gott erhalten, für die Menschen, die wir treffen werden?“. Gottes Worte können unser Leben nachhaltig verändern. Die Lebensmittel, die wir bringen werden, sind bald aufgebraucht, aber die gute Nachricht von Gottes Liebe für die Menschen vergeht nicht. Als ich meinen Vater im Himmel fragte, was er den Menschen dort durch mich sagen möchte, gehen meine Gedanken zur Bergpredigt, wo Jesus unter anderem folgende Aussage macht:
„Wenn einer dich um dein Hemd bringen will, so lass ihm auch noch den Mantel! Und wenn einer von dir verlangt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei Meilen mit ihm!” Matthäus 5, 40-41
Als Jesus diese Worte sprach, war Israel von den Römern besetzt und jeder Israelit konnte jederzeit willkürlich von einem römischen Soldaten gezwungen werden, dessen Ausrüstung für eine Meile zu tragen. Der Israelit hatte keine andere Möglichkeit, als trotzig diese Tortur und Demütigung über sich ergehen zu lassen. Aber Jesus sagte: «Geh die zweite Meile». Die erste Meile gehst du als gezwungener Untertan, die Zweite als freier Mensch. Niemand hat dich dazu gezwungen. Jesus geht es um unsere Freiheit! Wenn er im selben Zusammenhang sagt: "Liebt eure Feinde und betet für die die euch verfolgen", geht es ihm darum, dass wir Freiheit erleben. Wer hasst, ist ein Gefangener dieses Gefühls und fremdbestimmt durch die Person oder den Umstand, der diese Reaktion provoziert hat. Wer aber liebt, ist frei und selbstbestimmt, denn zur Liebe kann man niemals gezwungen werden. Sie ist ein freiwilliges Geschenk, welches freie Menschen weitergeben.
Wie real ist doch dieser Teil des Evangeliums für den Kontext, welchen wir auf diesem Einsatz entgegenfahren. Das Gebiet, wo wir hinfahren, liegt wenige Kilometer von der aktuellen Kriegsfront entfernt. Eine der Ortschaften war schon dreimal von der russischen Armee besetzt und nun vor wenigen Tagen von der ukrainischen Armee befreit worden. Wir werden Menschen treffen, die am eigenen Leib erlebt haben, was es heisst, nicht frei zu sein. Jetzt sind sie, zumindest von den äusserlichen Umständen her, wieder ein bisschen freier. Aber Jesus will auch, dass sie innerlich frei werden und wieder Frieden finden.
Das waren meine Gedanken während der Fahrt. Mittlerweile ist es Abend und wir kommen in Krîvîi Rih an, wo wir übernachten werden. Vorher müssen wir nach Marians'ke, eine Ortschaft am Ufer des Nipru. Dieser Fluss ist dort einige Kilometer breit und bildet die Grenze zwischen russischem und ukrainischem Gebiet. Weiter unten im Süden bei Herson, sind die Russen auf die westliche Seite des Flusses vorgedrungen und von dort wieder nördlich zeitweise bis zu zwei Kilometer vor Marians'ke gekommen.
Bis wir dort ankommen ist es stockdunkle Nacht. Die Blockposten sind nachts noch ein bisschen aufregender. Sobald man in deren Nähe kommt, muss man beim Auto das Licht ausschalten, dann zeigt einem der Soldat mit einer Taschenlampe, wo man lang fahren muss.
In Marians'ke parken wir vor einem Gebäude der Stadtverwaltung. Dort erwarten uns einige Volunteers. Mit ihnen zusammen entladen wir etwa 500 kg Lebensmittel und bringen diese in ihr Lager. Während dem Entladen hören wir in nicht allzu weiter Distanz beständiges Artilleriefeuer. Jenea beruhigt uns mit den Worten: “na baitsa eta nashi rakete” (das könnt ihr euch jetzt selbst übersetzen ;-).
Drinnen im Zentrum erzählt uns der Leiter, was sie tun, wie ihr Alltag aussieht und wie sie den Krieg erleben. Die Volunteers sind junge Erwachsene, die sehr engagiert und dynamisch wirken und auch mal einen Spass machen und lachen. Dennoch ist in ihren Blicken eine grosse Leere und Ratlosigkeit zu entdecken. Ich erinnerte mich an das Wort aus der Bergpredigt. Jesus möchte durch seine Worte diesen jungen Menschen einen Wegweiser Richtung Freiheit und Frieden geben. Ich fühle mich nicht kompetent, diesen Leuten etwas über Freiheit und Frieden zu erzählen. Aber ich gebe ja diesen Menschen nicht meine eigenen Ideen und Konzepte weiter, sondern die Worte die Jesus uns gelehrt hat.

An den Reaktionen der jungen Menschen kann ich feststellen, dass sie eine grosse Sehnsucht nach Freiheit haben. Sie hören mir aufmerksam zu. Auch wenn Jesu Konzept der Feindesliebe in diesem Kontext sicherlich sehr provokativ und vielleicht zu viel verlangt ist, ist es dennoch der Schlüssel zu innerlicher Freiheit und innerlichem Frieden. Wir können noch kurz zusammen beten und dann gehts wieder los. Es ist viertel vor Sperrstunde und die ist an der Front um 21 Uhr. Sie wird sehr streng kontrolliert. Das bedeutet, dass wir an den Blockposten bis am nächsten Morgen festgehalten werden, wenn wir zu spät sind. Dies ist uns im Frühling in Kiev passiert und ich habe kein Interesse, das zu wiederhohlen.
Kurz vor neun Uhr fahren wir durch den Blockposten vor Marians'ke. Erste Hürde geschafft, nun weiter nach Krîvîi Rih dort ist die "Komandanski ceas" um 22 Uhr. Bei 60 km Distanz, nachts und auf holpriger und löcheriger Strasse, ist das ein ambitioniertes Ziel. Während wir mit der höchstmöglichen Geschwindigkeit durch die Nacht fahren, erklärt mir Jenea etwas genervt, er hätte meine Botschaft an die Leute von Marians'ke zu lange und zu konfrontativ gefunden. In diesem Kontext von Feindesliebe zu sprechen, würde zu eine Antireaktion gegenüber dem Glauben führen! Vermutlich hat Jenea recht. Aber ich hatte nicht den Eindruck, dass meine Worte abgelehnt wurden. Im Gegenteil, die Zuhörer waren interessierter und wohlwollender als in so manchem Gottesdienst und ich vertraute darauf, dass diese Worte von Jesus bei den Leuten was bewirkten.
Im Gespräch mit Jenea versuchte ich herauszufinden, warum er so stark reagierte. Er erzählte mir, dass er vor zwei Wochen bei sich im Gottesdienst das Gebet leitete. Nachdem sie für die ukrainischen Soldaten gebetet hatten, forderte er die Gemeinde auf, für die russischen Soldaten zu beten, dass Gott ihnen begegne und sie zur Einsicht kämen. Dafür erntete er sehr heftige Kritik und einige forderten, er müsse aus der Gemeinde ausgeschlossen werden. Ich schreibe das hier nicht, um jemanden in ein schlechtes Licht zu stellen. Ich möchte aufzuzeigen, wie schwierig die Situation in der Ukraine ist. Der Bruch ist gross, welcher dieser unsinnige Krieg zwischen zwei Nationen ausgelöst hat und der sogar die christliche Gemeinde auf beiden Seiten dazu verführt hat, die ganz zentralen Grundlagen und Werte unseres Glaubens über den Haufen zu werfen.
In Krîvîi Rih treffen wir kurz vor 22 Uhr bei einem Rehabilitationszentrum einer örtlichen Gemeinde ein, wo wir herzlich und mit einer nahrhaften Mahlzeit empfangen werden. Nach dem Essen können wir unser Nachtquartier beziehen, ein grosser Saal mit Matratzen und Sofas, wo sich für jeden von uns ein Schlafplatz finden lässt. Kurz darauf kommt unser Gastgeber und schaltet das Licht aus, damit wir keine Probleme mit den in der Nacht patrouillierenden Soldaten kriegen. So reicht es noch für ein paar kurze Gespräche im Schein von Taschenlampen. Draussen heulen die Sirenen vom Luftalarm, wobei wir uns an dieses Geräusch schon so gewöhnt haben, dass wir ihm kaum mehr Beachtung schenken. Ein langer und eindrücklicher Tag zu Ende.
Um 6.30 Uhr stehen wir auf. Nach einem kurzen Frühstück geht es weiter. In einem Vorort von Krîvîi Rih werden wir in einer lokalen Kirche erwartet. Dort entladen wir weitere 500 kg Lebensmittel ins Lager der Gemeinde, welche damit Binnenflüchtlinge, die Armee und Bedürftige versorgt. Dort stösst Oleg ein lebensfroher und ansteckender Mann zu uns. Mit ihm machen wir uns auf den Weg nach Orlove, dem Dorf, welches nun schon zum dritten Mal aus der Besatzung der Russen befreit wurde.

Eine gute Stunde fahren wir aufs Land hinaus, die Qualität der Strassen lässt erahnen, dass die Region schon vor dem Krieg massive demografische und ökonomische Herausforderungen hatte. Immer wieder sehen wir kilometerlange Schützengraben. Trotz Satelitentechnik und Smartphones wird anscheinend immer noch wie vor hundert Jahren Krieg geführt.
Am Dorfeingang von Orlove beginnt militärisches Sperrgebiet. Ohne Sonderbewilligung kommt niemand rein, doch Jenea hat diese für uns besorgt und so räumen die Soldaten am Blockposten nach kurzer Rücksprache mit ihren Vorgesetzten das Nagelband aus dem Weg und wir können passieren. Wir sind nun im Oblast Herson, welches zeitweise ganz unter russischer Besatzung war und jetzt von der ukrainischen Armee in kleinen Schritten befreit wird. Oleg erzählt uns, wie die Menschen hier in den letzten Monaten gelitten hatten. Am schlimmsten sei die dritte Besatzung durch eine russische Häftlingsdivision gewesen, diese hätten gemordet, geplündert und vergewaltigt.
Im Dorf begegnet uns ein trauriges Bild. In ärmlichen Häusern leben fast ausschliesslich Pensionäre, teilweise ohne Wasser und Strom. Die Lebensmittelhilfe ist zwar ein Tropfen auf den heissen Stein, wird aber trotzdem sehr dankbar entgegengenommen.
Die kleine Asphaltstrasse, die durch das Dorf führt, ist von tiefen Furchen gezeichnet. Noch vor wenigen Tagen seien hier die russischen Panzer hoch und runtergefahren, sagen uns die Einheimischen. Jetzt ist es ruhig im Dorf. Die ständigen Detonationen, die man im Hintergrund hört, stammen von der ukrainischen Artillerie, welche russische Stellungen in Herson bombardiert. Ich frage mich, wie das wohl für die Menschen ist, welche seit mehr als einem halben Jahr Tag und Nacht von diesem Geräusch begleitet werden. Mal weiter weg und mal näher. Und dann immer wieder russische Raketen die ganz in der Nähe oder sogar im Dorf selbst einschlagen. Neben vielen Häusern sehen wir frische Erdhaufen, viele haben sich mit dem, was sie gerade zur Hand hatten einen Bombenkeller improvisiert.
Oft fehlen uns die Worte, um mit diesen Menschen Anteil zu nehmen und doch merke ich wie die kleinen Gesten zählen. Da ist diese alte Frau, die aus Moldawien stammt und vor vielen Jahren in diesem Dorf geheiratet hat und nun in dieser schweren Zeit von Christen aus ihrer alten Heimat besucht wird. Es hat auch uns ermutigt, mit jemandem in Moldawisch sprechen zu können, da unsere Kenntnisse in Russisch und Ukrainisch, immer noch sehr schwach sind.
Mit einigen können wir beten, für andere einfach nur das Lebensmittel Packet ins Haus tragen, wo sie es zu Tränen gerührt entgegennehmen. Am Ende des Dorfes können wir mit ein paar ukrainischen Soldaten sprechen, die sich in einem verlassenen Haus ein Rückzugsort eingerichtet haben. Sie können sich da ausruhen und waschen, bevor sie wieder an die Front in den Kampf müssen.
Nach dem kurzen Gespräch schlage ich ihnen vor, zusammen zu Beten. Einer der Soldaten lehnt mein Angebot vehement ab. Er erklärte uns, dass er seinen eigenen Glauben habe und zeigt uns stolz sein Hakenkreuz Amulett, dass er um den Hals trägt. Ich denke: „Hoppla, vielleicht war das russische Argument, die Ukraine müsse von Nazis befreit werden, doch nicht ganz aus der Luft gegriffen!" Sein Kollege zeigt uns schnell sein orthodoxes Christenkreuz, welches er um den Hals trägt und nimmt unser Angebot gerne an.
Auf dem Rückweg zeigt uns Oleg ein Militärlastwagen. Selbstzufrieden erklärt er uns, dass sie ihn den Russen abgenommen haben, als diese ihren Stützpunkt Hals über Kopf verlassen mussten. Tatsächlich sehen wir beim Näherkommen, dass das ukrainische Wappen ganz frisch auf die Haube gespritzt wurde.
Kurz vor Krîvîi Rih werden wir bei einem verlassenen Blockposten von ein paar Kindern angehalten. Im Gegensatz zu den Soldaten, wird hier die Weiterfahrt ohne etwas Schokolade oder Chips nicht gewährt ;-). Ich glaube, Kinder haben ihre eigene Strategie, wie sie mit dem Krieg umgehen. Natürlich sollte das kein Kind erleben müssen! Ich erlebe aber, wie sie "das Beste" aus der Situation machen.
Mittlerweile ist es 16 Uhr und wir verabschieden uns von Oleg. Wir machen uns auf den Heimweg Richtung Odessa. In Novîi Buh machen wir Halt und entladen den Rest unserer Ladung bei einer lokalen Kirche, die auch Binnenflüchtlinge betreut und den Bedürftigen dient.

Der Rückweg dauert lange und es bleibt viel Zeit zu reflektieren. Aus der Distanz ist es sehr schwierig einzuordnen, was dieser Krieg bedeutet und was seine Folgen für die Menschen vor Ort sind. Nun waren wir einen Tag lang nahe am Geschehen, haben mit Augenzeugen gesprochen, haben Spuren von Kämpfen gesehen und sogar das Artilleriefeuer gehört. Aber immer noch ist dieser Krieg sehr abstrakt für mich. Ich kann nur einen ganz kleinen Teil des Ausmasses und der Tragik erfassen. Dennoch habe ich in den letzten 24 Stunden einiges gelernt:
- Krieg ist bei weitem nicht so actionreich wie im Kino. Aber die Auswirkung und Tragik für die Bevölkerung übersteigt das, was ich mir zuvor vorgestellt hatte, bei weitem.
- Unsere Hilfe ist gemessen an der Not lächerlich wenig, aber bestimmt nicht wirkungslos. Wir unterstützen und ermutigen damit ja auch Menschen wie Jenea oder Oleg, welche täglich oder wöchentlich in diesen Gebieten unterwegs sind. Und auch sie machen das ja nicht auf ihre eigene Faust, sondern als Teil der christlichen Kirche, die das Königreich Gottes repräsentiert. Und das Königreich Gottes kann immer etwas bewirken, daran glaube ich fest. So gesehen können wir ALLE unseren Beitrag leisten, aus der Nähe oder aus der Ferne.
In Odessa verabschieden wir uns von Jenea und es geht im strömenden Regen mit der höchstmöglichen Geschwindigkeit weiter Richtung moldawische Grenze. Um 22:55 passieren wir den Blockposten im letzten ukrainischen Dorf vor der Grenze, fünf Minuten bevor uns die Weiterfahrt wegen der Sperrstunde wahrscheinlich untersagt worden wäre. Überheblicher Weise nennt man das "perfekt geplantes Timing" und demütiger Weise "Gottes Gnade". Wie auch immer, ich bin froh, dass unserer Heimfahrt nichts mehr im Weg steht. Der Grenzübertritt verläuft abgesehen vom Warten unspektakulär und so befahren wir kurz nach Mitternacht wieder moldawischen Boden. Und immer noch haben wir weitere fünf Stunden Zeit für gute Gespräche mit guten Freunden. Kurz vor 5 Uhr am Sonntagmorgen kommen wir Zuhause in Ungheni an.








































































































































