22.07.2022

Ich heisse Lera, bin 23 Jahre alt, studiere Englisch und engagiere mich freiwillig in unserer Gemeinde. Ich habe zwei ältere Schwestern. Die Älteste ist mit ihrem Mann und ihren drei Kindern bei Kriegsbeginn aus Odessa weggegangen. Mit der mittleren Schwester wohne ich zusammen.
Gerne erzähle ich euch, wie mein Engagement hier aussieht. Jeweils am Montag und am Mittwoch sortieren wir die gespendeten Lebensmittel und Hygieneartikel und stellen Pakete zusammen. Und wir kümmern uns um die Menschen, die nach Odessa geflüchtet sind. Am Dienstag und Donnerstag liegt der Fokus auf der einheimischen Bevölkerung unserer Stadt.
Warum teilen wir die Woche so auf und kümmern uns an zwei Tagen um die Flüchtlinge und an zwei Tagen um die Menschen von hier? Wir haben schnell gemerkt, dass Flüchtlinge andere Bedürfnisse haben und andere Hilfsgüter brauchen. So ist es für uns einfacher, wenn wir die Tage aufteilen und die Menschen wissen, an welchen Tagen wir den Fokus auf ihnen haben.

Wie organisieren wir uns? Wir möchten nicht, dass die Leute stundenlang in einer Schlange stehen müssen. Deshalb müssen sie bei uns anrufen und wir verteilen die Termine, damit nicht alle gleichzeitig kommen. Das ist meine Aufgabe. Ich führe die Liste, wer wann kommt und verteile die Termine. Ich telefoniere sehr viel und spreche mit den Menschen. Ist das schwer? In gewisser Weise ja: Ich treffe mich (in meinem Fall – höre und spreche) mit vielen verschiedenen Menschen. Es gibt welche, die sind unzufrieden oder unhöflich, andere sind sehr dankbar und einige weinen fast vor Glück. Sie alle brauchen Hilfe und Unterstützung.

Die Leute kommen dann an ihrem Termin vorbei. Wir überprüfen, ob sie auch wirklich angemeldet sind und nehmen ihre Daten auf. Wir geben ihnen ein Hilfspaket und laden sie zu den Angeboten unserer Kirchgemeinde ein. Wir packen und verteilen jede Woche rund 300 Pakete für die notleidende Bevölkerung in Odessa. Ausserdem packen wir wöchentlich 70-100 Pakete und bringen sie nach Mykolaiv (rund 130 km von uns entfernt) und verteilen sie dort.
Als wir mit dem Verteilen von Lebensmitteln begonnen haben, haben wir allen Menschen geholfen, die sich bei uns gemeldet haben. Schon bald merkten wir, dass wir Prioritäten setzen müssen, da wir nicht allen Menschen in Odessa helfen können. Unser Fokus liegt nun auf Migranten (also Menschen, die aus den Kriegsgebieten zu uns geflüchtet sind), Rentner, Menschen mit Behinderungen, Familien mit vielen Kindern und alleinerziehenden Müttern.

Jemand hat uns viele Umschläge mit Ausmalbildern und Sticker geschenkt, die wir an Kinder verteilen können. Wir möchten die Umschläge aber nicht einfach verteilen, sondern uns auch Zeit für sie nehmen.

Ich möchte euch noch von unserer Kirche erzählen. Wir sind eine kleine Gemeinde, jeder kennt jeden. Seit der Krieg begonnen hat, sind viele neue Leute dazugekommen, oft ältere Leute. Wir sind sehr offen für Menschen die neu kommen. Nach dem Gottesdienst gibt es Tee und wir haben Zeit, Gemeinschaft zu pflegen. Am Sonntag verteilen wir auch keine Hilfsgüter, weil wir nicht möchten, dass die Leute nur in den Gottesdienst kommen, weil sie anschliessend ein Lebensmittelpaket bekommen.

Wir haben eine Bibelgruppe und laden da euch Leute ein, die sich noch überhaupt nicht in der Bibel auskennen. Wir freuen uns sehr, dass sie kommen und sich für den Glauben interessieren. Sie stellen viele Fragen und möchten Antworten bekommen. Wir hoffen, dass wir den Menschen helfen können und Antworten auf ihre Fragen haben. Vor allem aber hoffen und beten wir, dass sich ihre Herzen mit der Liebe Gottes füllt!
Vielleicht erstaunt euch das jetzt: Eigentlich bin ich ein eher verschlossener Mensch und es fällt mir gar nicht so einfach, mit Menschen zu kommunizieren. Ich bevorzuge ein stilles Plätzchen für mich und lese gerne. Aber ich bin Gott sehr dankbar, dass ich ein Teil des Teams sein kann und mich für die Menschen engagieren kann, die unsere Hilfe und Unterstützen brauchen.







































































































































